Angstpolitik und Populismus – eine Annäherung in Bitterfeld

von OK

Impulsvortrag von Dr. Benjamin Höhne (Quelle: IParl)

Organisiert von der Konrad-Adenauer-Stiftung fand am 23. Mai 2018 der Kongress „Angstpolitik ohne Antworten. Populismus in Deutschland und Europa“ in Bitterfeld-Wolfen statt. Mit einem breiten Programm wurde den Fragen nachgegangen: „Ist Populismus gefährlich? Wie gehen die Gesellschaft, die Medien und politische Akteure mit Populisten um?“

Dr. Benjamin Höhne leitete den Workshop zum Thema „Populismus im Internet und sozialen Medien“. Er thematisierte die Ankunft der Rechtspopulisten in der deutschen Parteienlandschaft, um daraufhin anhand von Trump und Twitter, Verschwörungstheorien und der Diagnose der Postfaktizität auf aktuelle Entwicklungen an der Schnittstelle zwischen Politik, Medien und Gesellschaft einzugehen. Er konstatierte, dass die etablierten Parteien von den Populisten bei deren Auftritten im Internet Einiges lernen können.

Genau darum ging es im anwendungsorientierten Teil. Sarah Ribbert (IParl) illustrierte anhand von Daten und Beispielen aus der Praxis, dass Populismus und soziale Medien eng miteinander verknüpft sind. Dies liege unter anderem daran, dass sich über die sozialen Medien massenhaft Nachrichten ohne Filter verbreiten lassen und so an den konventionellen Nachrichtenmedien vorbei eine direktere Kommunikation mit den Zielgruppen möglich ist. Im Parteienvergleich zeige die Facebook- und Twitter-Nutzung von AfD-Politikern, dass die populistische Community besonders aktiv darin ist, deren Beiträge zu teilen, zu liken und ihre Reichweite sich so erheblich erhöhe.

Im Fazit kamen die Teilnehmer des Workshops zu dem Ergebnis, dass soziale Medien Populismus durchaus fördern. Durch die Mechanismen sozialer Netzwerke, wie zum Beispiel Algorithmen, verstärke sich die Gefahr, dass Echokammern unter politisch Gleichgesinnten entstehen, die sich in ihrer Meinung nur noch gegenseitig bestärken. Daran anschließend entflammte eine Diskussion, in der es u.a. um Nachrichtenquellen von jungen Menschen, Satiremagazine als Informationsgrundlage – was längst nicht mehr nur in den USA im Trend zu sein scheint – und um die Zukunftsaussicht von traditionellen und sozialen Medien ging.

In der den Kongress abschließenden Podiumsdiskussion mit Vertretern aus dem Landtag Sachsen-Anhalts, der evangelischen Kirche, Politikwissenschaft, Philosophie und einem Kabarettisten wurden verschiedene Sichtweisen auf die Angstpolitik von Populisten deutlich. Durch den Dialog über Professionsgrenzen hinweg und unter Einbeziehung der Meinungsäußerungen anwesender Bürger gelang es, dem Populismus in sozialen Medien ein offenes Gespräch, ohne Echokammern, entgegenzusetzen.

Am 27.05.2018 berichtete die Mitteldeutsche Zeitung über den Kongress. Sie finden den Artikel in der Print-Ausgabe auf S. 8 oder online unter: www.mz-web.de.

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