Parteienforschung aus dem IParl

Das IParl beschäftigt sich mit der Entwicklung der Parteienlandschaften in repräsentativen Demokratien. Dabei werden langfristige Trends ebenso berücksichtigt wie gegenwärtige Herausforderungen und Problemlagen. Aktuell sind folgende Parteienstudien von Mitarbeitern des IParl erschienen:

Benjamin Höhne und Uwe Jun (2019): Die Wiederauferstehung der FDP

Bei der Bundestagswahl 2013 schied die FDP nach 64 Jahren aus dem Deutschen Bundestag aus. Christian Lindner übernahm den Vorsitz der angeschlagenen Partei und verordnete ihr eine dreifache Erneuerungskur in programmatischer, organisatorischer und personeller Hinsicht. Dem Modernisierungsprozess folgten erste Erfolge bei Landtagswahlen, die 2017 im respektablen Wiedereinzug in den Bundestag mündeten. Dennoch hat der Kurs der Freien Demokraten offene Flanken: So sind Frauen auf allen Ebenen der Partei stark unterrepräsentiert. Zudem ist fraglich, ob die Liberalen mit der umstrittenen Entscheidung gegen eine Jamaika-Koalition Sympathien verspielen oder aber mit dem Gang in die Opposition weiter Glaubwürdigkeit hinzugewinnen. Nicht zuletzt muss sich zeigen, ob die FDP mehr als eine One-Man-Show ist und welche Machtperspektive sie besitzt.

Benjamin Höhne (2018): Engagement beugt Politikverdruss (nicht immer) vor: Demokratievertrauen und Parlamentszufriedenheit von aktiven Parteimitgliedern

In der Einstellungs- und Partizipationsforschung wird argumentiert, dass politisches Engagement politischer Verdrossenheit entgegenwirken kann. Jedoch sind die Beziehungen zwischen der Handlungs- und Einstellungsebene kompliziert, v.a. aufgrund von uneinheitlichen Kausalbeziehungen und deren Wirkungsrichtungen sowie multiple Wechselwirkungen. Im Beitrag werden Zusammenhänge politischer Partizipation einerseits und politischer Unterstützung auf der Einstellungsdimension andererseits anhand einer Befragung von aktiven Mitgliedern aller sieben Bundestagsparteien im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 multivariat analysiert. Im Ergebnis zeigt sich u.a., dass links und rechts des politischen Spektrums konventionelles Engagement in einer Partei mit systemkritischen Einstellungen einhergeht und diese damit ein systemadäquates Ventil zu ihrer Artikulation finden.

Der Artikel wurde veröffentlicht in: ZParl, 49. Jg., H.4, 2018, S. 919-932

Elmar Wiesendahl, Benjamin Höhne und Malte Cordes (2018): Mitgliederparteien - Niedergang ohne Ende?

Die rückläufige Entwicklung der Mitgliederzahlen politischer Parteien in Europa lädt zu der Vermutung ein, dass sie in Zukunft als Mitgliederorganisationen verschwinden werden. Dieser Sicht steht die Normalisierungsthese entgegen, also das Überleben der Mitgliederparteien auf niedrigem Niveau. Die Autoren befassen sich damit, inwieweit mit dem Verschwinden oder der Normalisierung der Parteien in Deutschland zu rechnen ist. Sie stellen dar, dass deren Mitgliederentwicklung einem Konjunkturzyklus unterliegt, dessen Klimax von Mitte der siebziger Jahre bis kurz nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung Anfang der 1990er Jahre reicht. Seitdem erfolgt ein stetiger Abfall der Mitgliederzahlen, hervorgerufen vor allem durch ausbleibende Eintritte, durch Austritte und ansteigende Todeszahlen einer alternden Parteimitgliederkohorte. Entsprechend der Normalisierungsthese wird zunächst ein weiteres Abschmelzen des Mitgliederniveaus nach den außergewöhnlichen Mitgliederzuflüssen Mitte der 1970er Jahre und Anfang der 1990er Jahre erwartet, längerfristig aber von einer Stabilisierung ausgegangen. Mittels einer Zeitreihenanalyse wird die zukünftige Entwicklung der Mitgliederzahlen am Beispiel von SPD und CDU bis zum Jahr 2030 geschätzt. Deren Ergebnis zeigt, dass die Zahl der Beitritte nicht so stark absinken wird wie die der Abgänge, die schon jetzt durch einen hohen Anteil an Sterbefällen determiniert sind. Nach Abklingen dieser Phase werden sich die Umfänge der Ein- und Austritte wahrscheinlich angleichen.

Der Artikel wurde veröffentlicht in: ZParl, 49. Jg., H.2, 2018, S. 304-324

Benjamin Höhne und Daniel Hellmann (2017): DIE FREIEN DEMOKRATEN. Comeback der FDP mit neuer Mannschaft, Mit-Mach-Organisation und Mut-Mach-Liberalismus

Benjamin Höhne und Daniel Hellmann analysieren in ihrer Studie zur neuen FDP die Entwicklung der Partei seit der Bundestagswahl 2013, bei der sie erstmalig in ihrer Geschichte den Einzug in den Bundestag verpasst hatte, bis heute. Darin zeigen die Autoren, wie sich die Partei seit dem elektoral, personell, programmatisch und organisatorisch neu aufgestellt hat. Sie stellen fest, dass die FDP ihre letzten Wahlerfolge entschiedenen Reformschritten zu verdanken hat. Der Wiedereinzug der Freien Demokraten in den Bundestag scheint ausgemacht. Allerdings sollte die FDP das Happy End auf der Oppositionsbank feiern, damit sie ihren beschädigten Markenkern weiter regenerieren kann. Die Studie wurde bei der Konrad-Adenauer-Stiftung im Auftrag der Hauptabteilung "Politik und Beratung" veröffentlicht.

Die Studie können Sie direkt bei der Konrad-Adenauer-Stiftung herunterladen: http://www.kas.de/wf/de/33.49625/

Benjamin Höhne (2016): DIE LINKE - Entwicklungsperspektiven zwischen Extremismus, Populismus und Regierungspragmatismus

Benjamin Höhne untersucht in dieser Schrift die verschiedenen Herausforderungen und Problemlagen, welche die gegenwärtige Situation der Linkspartei beeinflußen. Neben den innerparteilichen Auseinandersetzungen zwischen dogmatischen und pragmatischen Vertretern, werden ebenso externe Effekte wie der demographische Wandel in Ostdeutschland herangezogen. Darüber hinaus wird die Verbindung zwischen Partei und gesellschaftlichen linken Bewegungen in den Blick genommen. Die Studie wurde bei der Konrad-Adenauer-Stiftung im Auftrag der Hauptabteilung "Politik und Beratung" veröffentlicht.

Die Studie können Sie direkt bei der Konrad-Adenauer-Stiftung herunterladen: http://www.kas.de/wf/de/33.45878/