Warum Wasser im Bundestag ein Privileg ist

von OK

Benjamin Höhne: Parlamentarische Gepflogenheiten. Warum sich auch Populisten besser daran halten, in: politik&kommunikation, Ausgabe I/2020, S. 50-54.

Im Herbst des vergangenen Jahres wurde im Bundestag eine Wasser-Debatte geführt. Dabei ging es nicht um die prekäre Trinkwasserversorgung in vielen Teilen der Welt, sondern um die der Bundestagsabgeordneten. Anlass waren zwei Schwächeanfälle von Abgeordneten im Plenarsaal des Reichstags innerhalb nur eines Tages. Sie wurden damit in Verbindung gebracht, dass es den Parlamentariern untersagt ist, während der Sitzungen zu trinken. Das steht zwar wörtlich nicht in der Hausordnung, ist aber langjährige Parlamentspraxis. Ein Wasserglas ist im Reichstag ein Privileg, das nur dem Redner zusteht. Obwohl es symbolisch vor allem für die anstrengenden Arbeitsbedingungen von Abgeordneten herhalten musste, veranschaulichte es noch mehr: Gestritten wird längst nicht nur um Stilfragen wie etwa Kleiderordnung oder Zeremonielles. Zur Diskussion stand grundsätzlich, wie zeitgemäß manch tradierte Parlamentsgepflogenheit noch ist.

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