IParl-Projekt „Zweite Kammern in demokratischen Regierungssystemen”

Zweite Kammern finden in Wissenschaft und Öffentlichkeit zu Unrecht wenig Beachtung. Meist sind sie verfassungsrechtlich ein Bestandteil der nationalen Parlamente und damit zentraler Ort für Gesetzgebung und parlamentarische Kontrolle. Die bisherige Forschung zu Zweiten Kammern hat diese eher beschrieben und katalogisiert. Zweite Kammern wurden oft als Unikate oder Absonderheiten behandelt und vielfach als machtpolitisch vernachlässigbar eingestuft. Wären sie so offensichtlich entbehrlich, sollte man annehmen dass überall ihre Abschaffung auf der Tagesordnung steht. Dem ist aber nicht so – im Gegenteil, wie die jüngsten erfolglosen Referenden zur Abschaffung bzw. dem Umbau der Zweiten Kammer in Irland und Italien beweisen.

Anstatt Zweite Kammern als unnützes Ornament des Parlamentarismus abzutun, ist es an der Zeit, dass die Wissenschaft diese ernster nimmt und ihre politische und gesellschaftliche Bedeutung in parlamentarischen Demokratien untersucht. Viele grundsätzliche Fragen wie die nach den Repräsentationsleistungen, partizipatorischen Möglichkeiten, gesellschaftlichen Integrationsmöglichkeiten oder der handwerklichen und verfahrensbezogenen Stabilisierung des Parlamentarismus durch Zweite Kammern sind unbeantwortet. Sie sollen auch durch Ländervergleiche von Demokratien Gegenstand einer Analyse sein, die Roland Sturm und Suzanne S. Schüttemeyer am IParl durchführen. Sie können auf eine langjährige Zusammenarbeit zurückgreifen, die thematisch mit dem gemeinsamen Aufsatz: „Suzanne S. Schüttemeyer/Roland Sturm: Wozu Zweite Kammern? Zur Repräsentation und Funktionalität Zweiter Kammern in westlichen Demokratien, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen 23. Jg., H. 3, 1992, S. 517-536“ begann.